Das W-Seminar auf Spurensuche

Am 17. Oktober machte sich das Geo-W-Seminar  "Diagnose unheilbar?!" mitsamt seinen 29 Schülerinnen und Schülern pünktlich um 9.45 Uhr mit dem Bus auf den Weg nach Erlangen. Einen Zwischenstopp legten wir in der Staatsbibliothek Ansbach ein. Die Bibliotheksleitern Ute Kissling gab uns eine sehr präzise und informative Einführung in die Bestände der vielseitigen Themenbereiche mit ihren 38000 Büchern dar, was lediglich einem Drittel des gesamten Inventars entspricht. Sie legte uns des Weiteren den historischen Hintergrund der alten Bibliothek, die schon seit 1720 besteht, dar. Die Staatsbibliothek, deren Schwerpunkt auf den Geisteswissenschaften liegt, arbeitet mit der Universitätsbibliothek der FAU-Erlangen/Nürnberg zusammen und stellt damit eine extrem große Bandbreite an Ausleihmöglichkeiten zur Verfügung, die uns Alexander Schmidtke vorstellte. Dabei ging er besonders auf die Fernleihemöglichkeiten mittels des Internets ein und erläuterte uns die Vorgehensweisen und Regeln anhand einiger anschaulicher Beispiele, die von zwei Schülern am Computer ausprobiert wurden. Nach einer gut genutzten Klopause ging die Fahrt nach Erlangen weiter.  
Dort angekommen vertrat sich unsere Gruppe bei einer Wildscheinbesichtigung im nahe gelegenen Wald des Exerzierplatzes zunächst die Beine. Danach liefen wir über einen Bäcker, bei dem wir eine kleine Pause zur Stärkung eingelegten, direkt zum Exerzierplatz, welcher ein Teil der Sandachse-Franken ist. Dort trafen wir die Diplom-Geographin Barbara Philipp, von welcher wir im Sandgarten grundlegende Informationen über das ehemalige Militärgebiet erfuhren. Dabei führten wir einen Versuch durch, um die Sandtiefe und die Sandschichtung zu untersuchen. Dazu musste ein Bohrstock mit einem Hammer in den Boden getrieben werden. Nachdem jeder einmal den Hammer schwingen durfte, war der Stab im Boden versenkt. Nun musste der Bohrstock per Hand wieder herausgezogen werden, damit wir das Ergebnis betrachten konnten. Es war zu beobachten, dass der Sand an der Oberfläche schon sehr stark von Humus durchzogen war, doch in einer Tiefe von circa 50cm bereits reiner Sand vorhanden ist, welcher je nach Standort in diesem Gebiet eine Tiefe von circa 2-3 Meter misst.
Anschließend bekamen wir zwei Flaschen, eine gefüllt mit Sand des Exerzierplatzes, in der anderen befand sich trockener Lehm. Die Flaschen hatten unten ein genügend großes Loch, sodass Wasser durchlaufen konnte. Als die Flaschen mit Wasser aufgegossen waren, beobachteten wir, wie die Flüssigkeit durch den Sand bzw. den Lehm durchfloss. Unser Resultat war, dass das Wasser durch den Sand schneller versickerte als bei dem Lehm, worin das Wasser nur mäßig bis fast gar nicht nach unten durchgedrungen war. Dies ist mit dem Eigenschaften des Sandbodens zu begründen. Er besitzt ein Porenvolumen, welches dem Wasser ermöglicht, sehr schnell hindurchzusickern. Daran müssen sich die Pflanzen anpassen, da sie zwar sehr leicht und schnell an Wasser gelangen, jedoch verdunstet das Wasser auch wieder sehr schnell. Außerdem wird der Sand rasch heiß, was die Lebensbedingungen für Flora und Fauna auf dem Exerzierplatz erschwert.
Des Weiteren haben wir uns mit teilweise seltenen und geschützten Pflanzenarten, die nur auf Sandböden wachsen können, beschäftigt. Dies wurde mit Hilfe von Karteikarten durchgeführt, die uns von Frau Philipp ausgehändigt wurden. Wir erhielten den Auftrag, in Kleingruppen das oben genannte, abgegrenzte Naturschutzgebiet zu erkunden. Dabei sollten wir die gegebenen Informationen über die verschiedenen Pflanzen abgleichen und unsere Ergebnisse dann den übrigen Mitschülern präsentieren. Manchmal waren wir dabei auf Ergänzungen von Frau Philipp angewiesen. Durch diese Arbeitsmethode erfuhren wir in kurzer Zeit sehr viel über die einmalige Vegetation auf dem Exerzierplatz in Erlangen. Zudem müssen wir leider hinzufügen, dass einige äußerst seltene Pflanzen von einzelnen Schülern vernascht wurden. :'D
Nachdem die Versuche im Sandgarten abgeschlossen waren, begannen wir den Rundgang durch das ganze Gebiet des Exerzierplatzes, das wir uns etwas größer vorgestellt hatten. Als die Diplom-Geographin Frau Philipp freilaufende Hunde sah, merkte sie lautstark an, dass dies v.a. zum Schutze der dort brütenden Tierarten eigentlich verboten sei, dass dieses Verbot jedoch von den meisten Hundebesitzern nicht beachtet werde. Während wir auf dem vorgeschriebenen Weg zu unserem nächsten Ziel liefen, entdeckte eine unserer Seminarleiterinnen, Frau Schober, eine amerikanische Münze von 1979 auf dem Boden, welche höchstwahrscheinlich noch ein Überbleibsel aus der Zeit der militärischen Nutzung ist.
An der letzten Station unseres Rundgangs durften wir selbst Forscher spielen und uns mit aus der Kindheit bekannten Lupengläsern auf die Suche nach besonderen Insekten machen. Dabei stießen wir auf einen "Ödi" - die Blauflügelige Ödlandschrecke, eine Art Heuschrecke mit blauen Flügeln - der Begeisterung in uns und unserer Exkursionsleiterin, die einen Freudeschrei nicht mehr unterdrücken konnte, hervorrief. Doch die Begeisterung hielt nicht lange, denn der plötzliche Tod des Ödis, durch einen Seminarteilnehmer unabsichtlich verursacht, erweckte völliges Entsetzen bei den Seminarteilnehmern, vor allem aber bei Frau Philipp.
Nach diesem emotionalen Ereignis, aber trotz allem einer interessanten und informativen Führung, verließen wir - mit Dank an Frau Philipp - den Exerzierplatz und machten uns auf den Heimweg.

W-Seminar Geographie