„Ich bin Ich. Wir sind Wir“ – eine doppelte Theaterzeitreise im Gymnasium Feuchtwangen
„Wildfremde Menschen werden sich vor Rührung weinend in den Armen liegen“ – auf die kommende musikalische Theateraufführung am Gymnasium Feuchtwangen angesprochen, hatte der beteiligte Musiklehrer Achim Lauter diese augenzwinkernde Voraussage getroffen. Und tatsächlich bot die Theaterwerkstatt der Schule gemeinsam mit einer neu zusammengekommenen Lehrer-Schüler-Band einen wirklich an- und berührenden Abend, wie es auch der Schulleiter der Schule Volker Dollinger in seinen Dankesworten feststellte.
Der Leiter der Theaterwerkstatt Wolfgang Opel hat mit der Eigenproduktion „Ich bin Ich. Wir sind Wir“ ein wahrliches Gesamtkunstwerk geschaffen – Idee, Buch, Regie, all das kam von ihm. Was da auf der Bühne zu sehen war, kann man wohl am ehesten als musikalische Theaterperformance bezeichnen. Die Zuschauer begleiteten die Bühnendarsteller und -musiker auf einer doppelten Zeitreise: Zum einen ins Berlin vor 1933, als sich die Schriftstellerin Mascha Kaléko anschickte, die neue Stimme der deutschen Lyrik zu werden. Zum anderen ins Berlin nach 1989, als Peter Plate und AnNa R. „Rosenstolz“ erfanden und mit Hits wie „Liebe ist alles“ oder „Ich geh in Flammen auf“ die Menschen begeisterten.
Dabei wechselten sich die szenischen Vorträge der Kaléko-Gedichte nicht nur mit den Rosenstolz-Liedern ab, sondern ergaben durch biographische Erläuterungen und thematische Verbindungen ein größeres Ganzes. Zwei Welten, die manchem vor der Aufführung ganz unterschiedlich erscheinen mochten, traten in ein spannendes Zwiegespräch. „Wer bin ich? Wie will ich sein?“ – Auf diese Fragen sind die Werke der vorgestellten Künstlerinnen und Künstler oft konzentriert. So boten die einzelnen Beiträge dem jungen und alten Publikum immer wieder Raum für Identifikation und Reflexion und passten auch gut in den Kontext Schule, wo Fragen nach Identität und persönlicher Entwicklung für die Heranwachsenden eine prägende Rolle spielen.
Die Schauspielerinnen und Schauspieler der Theaterwerkstatt boten die Sprechbeiträge im szenisch inszenierten, kreativen Wechsel sowie passend moduliert dar und führten Kalékos Texte gelungen in die Gegenwart. Man merkte, wie die Truppe in der nur etwa fünf Monate langen Probezeit zusammengewachsen war.
Die federführenden Musiklehrkräfte StDin Daniela Groß (Klavier) und OStR Achim Lauter (Gitarre) hatten innerhalb weniger Wochen eine Band zusammengestellt, in der Jugendliche und Lehrkräfte auf Augenhöhe zusammen musizierten. Die Spielfreude war allen Musizierenden, allen voran dem Schlagzeuger StD Alexander Jung und StD Wolfgang Opel am Bass, anzumerken. Die Stimmen der Sängerinnen Jodi Deml, Leia Meier und Gabriele Stetter kamen der Klangfarbe der im Jahr 2024 verstorbenen Rosenstolz-Sängerin AnNa R. erstaunlich nahe. Jodi Demls Bühnenpräsenz war im positivsten Sinne einnehmend. Besonders berührten das von OStRin Stetter gesungene Eingangslied „Irgendwo in Berlin“ sowie das ebenfalls von ihr vorgetragene Zugabenstück „Wo bist du“, das wiederholt in einen fruchtbaren Dialog mit einem Kaléko-Gedicht trat und das Publikum beseelt in den lauen Sommerabend entließ. An einem Bücherstand der Buchhandlung Sommer konnten thematisch passende Bücher erworben werden, und auch viele anregende Gespräche entsponnen sich im Anschluss an die Aufführung.
Wichtige Termine
Kontakt
Gymnasium Feuchtwangen
Förderschwerpunkt Lernen
Dr.-Hans-Güthlein-Weg 10
91555 Feuchtwangenr
Downloads